Erinnern

Wir haben heute Mittag am ehemaligen Versorgungsheim Farmsen (August-Krogmann-Str. 98 – 100) Klee gepflanzt.

IMG_0400Dort fehlte bisher ein Gedenkort für die vielen von Zwangsarbeit, Entmündigung und Zwangssterilisierung Betroffenen und als sogenannte „Asoziale“ Verfolgten. Von den 1.600 Menschen, die zum Beispiel 1938 in der Anstalt ihrer Freiheit beraubt wurden, waren 85% sogenannte „Asoziale“ und mussten in der Land- und Hauswirtschaft, in Wäscherei und Spinnerei arbeiten. Es gab einen hohen Zaun, Schlafräume zu 50 Betten und strenge Kontrolle durch Strafe und Belohnung. Viele wurden von hier aus in Konzentrationslager und in Euthanasie-Einrichtungen überstellt. Als geschlossenes Arbeitshaus war Farmsen Teil eines Gefüges aus Fürsorge, Erziehung und Disziplinierung durch Behörden, Gesundheitsämter, Ärzt_innen und Polizei. Dessen Vorgehen wurde nach der Befreiung 1945 nur selten als spezifisch nationalsozialistisches Unrecht anerkannt und viele der damals Verantwortlichen blieben bis in die 1960er Jahre in ihren Ämtern.

IMG_0437NIEMAND IST ASOZIAL
VERGESST DIE ASOZIALEN NICHT

Schafft Gedenkorte!IMG_0486
Oxalis triangularis
Oxalis triangularis, der schwarze Dreiecksklee, Halbschattengewächs. Obenrum essbar und wuchert unterirdisch als Rhizom. Er wächst in unserem nomadischen Büro und soll überall dort eingepflanzt werden, wo ein Gedenkort Not tut. Wo immer wir sind, machen wir diese Orte aus und setzen ein temporäres Denkmal. Kein Monument und kein Baum, aber sehr viele, sehr hartnäckige Halbschattengewächse.

Wir sind dankbar über Vorschläge für mögliche Orte und freuen uns über Kompliz_innen, die die Patenschaft für die Pflanzen übernehmen wollen.