Pressemitteilung

Es ist ZAiD!
Feierliche Inauguration vom 18. bis 21. März 2015 auf Kampnagel in Hamburg

Pressemitteilung

Nach einer historischen Lücke von 70 Jahren tritt mit dem Zentralrat der Asozialen in Deutschland (ZAiD) eine Organisation auf den Plan, welche den Anspruch erhebt, die nach 1945 selten entschädigte und in der Gedenkpolitik beider deutscher Staaten bislang ignorierte Gruppe der im Nationalsozialismus als sogenannte „Asoziale“ Verfolgten zu vertreten. Der ZAiD fordert ihre immaterielle wie materielle Entschädigung und steht gegen das Weiterwirken einer tradierten Stigmatisierung ein. Es ist niemandem zuzumuten, sich selbst als „asozial“ zu identifizieren und eine solche fiktionale Identität weiterzutragen. Zugleich übernimmt der ZAiD Verantwortung dafür, dass ein Gedenken an die sozial unangepassten und marginalisierten Verfolgten nicht weiterhin unter den Tisch fällt. Es ist nicht hinnehmbar, dass eine Kategorie weiter besteht, auf deren Basis Menschen als „asoziale Gemeinschaftsfremde“ verurteilt wurden, worauf nicht selten Inhaftierung, Zwangsarbeit und Sterilisation folgte. Die Verachtung und behördliche Gängelung potentiell „Arbeitsscheuer“ und volkswirtschaftlich Unproduktiver hat nach wie vor Bestand. Der ZAiD verteidigt die von gesellschaftlicher Teilhabe Ausgeschlossenen: „Wir haben nichts zu verlieren, außer unserer Scham.“

Ein Kunstort wie Kampnagel ist der einzige Raum, in dem es derzeit möglich ist, ein solches Anliegen zu beginnen. Tucké Royale ernennt sich dort am 18. März zum Ersten Sprecher des neuen Zentralrats und ruft die asoziale Plastik ins Leben, die zum hacking der gesellschaftlichen Realitäten aufruft.

Vom 18. bis 21. März ereignen sich mit „Schwebender Kaffee“ und „Unmögliche Orte“ tagsüber Aktionen im Stadtraum, über die der ZAiD zeitnah online auf www.zentralrat-der-asozialen.de informiert. Der Webseite ist auch das detaillierte Abendprogramm auf Kampnagel zu entnehmen, das täglich von 18 bis 24 Uhr in der kx stattfindet. Es wird zu essen und zu trinken, einen Shuttleservice und Aufnahmerituale für interessierte Kompliz_innen geben, Gespräche mit Expert_innen und Ahnungslosen, außerdem Filme, Musik und vielfältige Gelegenheiten zur grenzüberschreitenden Kontaktaufnahme. Am Ende der Gründungsphase steht die Bildung der Seilschaft der Hamburger Kompliz_innen des ZAiD. Diese wird die Anliegen des ZAiD vor Ort vertreten, während der Erste Sprecher weiter durch deutsche Städte zieht, um auf der bundespolitischen wie der lokalen Ebene vergessene Zeugnisse zu bergen, Kontinuitäten sichtbar zu machen und künstlerisch wie politisch in das Geschehen einzugreifen. Wir freuen uns über Voyeurismus und Kompliz_innen!

NIEMAND IST ASOZIAL!
VERGESST DIE ASOZIALEN NICHT!

Zentralrat der Asozialen in Deutschland
Tucké Royale, Erster Sprecher

Weitere Termine:

Der ZAiD in Berlin
30. April bis 2. Mai 2015 im Studio Я / Maxim-Gorki-Theater

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