Aktuelle Termine

Der Zentralrat der Asozialen hat keinen festen Standort, sondern ist nomadisch. Aktuelle Stationen des ZAiD:

15.12.2015 19:00 Seilschaftstreffen Berlin, Kantine des Maxim-Gorki-Theater

27.01.2016 Holocaust-Gedenktag OSZ Ruth-Cohn, Berlin

Feierliche Einweihung des ZAiD

An alle Bewohner des Landes: Es wird ZAiD! 70 Jahre nach dem offiziellen Ende des Nationalsozialismus findet die Opfergruppe der »Asozialen « (von den Nazis mit dem Schwarzem Winkel markiert) keine Anerkennung ihrer Verfolgungsgeschichte oder gar finanzielle Entschädigung. Die Stigmatisierung von Menschen, die keiner regelmäßigen Arbeit nachgehen, obdachlos oder mit verschiedenen Begründungen an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind, ist Alltag in Deutschland und Europa. Im März 2015 gründet sich in Hamburg der Zentralrat der Asozialen in Deutschland und lädt in diesem Rahmen zu seiner feierlichen Eröffnung. Der Zentralrat präsentiert an vier Abenden ein Programm zu Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Stigmatisierung als »Gemeinschaftsuntaugliche«. Wer ist Gesellschaft? Wie funktioniert Ausschluss? »Wir gedenken der Toten. Wir sind die Lobby. Wir sind lebendig«, sagt Tucké Royale, der Erste Sprecher des Zentralrats, und erklärt damit die Geburt der sozialen Plastik des ZAiDs für und mit Ausgegrenzten..

Eröffnungsrede vom Ersten Sprecher

Pressemitteilung zur Inauguration

 

Mit:
Seilschaft des ZAiD Berlin
Seilschaft des ZAiD Hamburg

Aktionen

Offensives Erinnern und osmotischer Eingriff in die Realität. Wie der ZAiD aktiv wird.

F.A.Q.

Häufig gestellte Fragen

"ASOZIAL"?!
Als Fremdzuschreibung ist „asozial“ ein Wort der Entsolidarisierung mit Anderen und bezeichnet die von der Gemeinschaft Ausgegrenzten. Das Stigmata „asozial“ ist eine Erfindung der deutschen Sprache und in andere Sprachen so nicht übersetzbar. Mit der Begründung, dass jemand „gemeinschaftsfremd oder -schädlich“ ist, wurden durch die Nazis Tausende Menschen in Konzentrationslager und Arbeitshäuser gesperrt, einige von ihnen zwangsterilisiert und die meisten zu Zwangsarbeit verpflichtet. Die Auszahlung von Entschädigungszahlungen und Opferrenten ehemaliger Zwangsarbeiter_innen hat auf internationalen Druck erst 2001 begonnen. Der Zentralrat der Asozialen sorgt dafür, dass die als „asozial“ Verfolgten künftig nicht mehr zu den vergessenen Opfern des Nationalsozialismus gehören. Er solidarisiert sich darüberhinaus mit allen Verfolgten und strebt die Teilhabe aller am gesellschaftlichen und sozialen Reichtum an.
Floskeln wie „Sei mal nicht so assi. / Das ist asozial.“ sind nach wie vor im alltäglichen Sprachgebrauch vorhanden. Der Zentralrat tritt dafür ein, dass die versäumte breite Information über die Verfolgung und Vernichtung einer heterogenen Opfergruppe nachgeholt und die Kontinuitäten der Ausgrenzung von „Asozialen“ aufgezeigt werden.

WER IST „ASOZIAL“?
Asozialität ist tautologisch: Asoziale sind die Asozialen. Niemand ist asozial. Die Bezeichnung ist immer Fremdzuschreibung und nicht Selbstverständnis. Im Nationalsozialismus wurden Lebensformen als „asozial“ ausgegrenzt, die der als homogen erwarteten „Volksgemeinschaft” und ihrer Reproduktion entgegenstanden. Die in Konzentrationslagern und Arbeitshäusern Internierten sind häufig Opfer von Denunziation geworden und hatten mit der Abwicklung des Rechtsstaats durch die NSDAP keine Möglichkeit des Einspruchs oder der juristischen Verteidigung.
„Asozialität“ ist eine konstruierte Behauptung. Trotzdem wurden nach Maßgabe dieser Anschuldigung Menschen getötet und verfolgt. Und auch heute noch sind nach ähnlichen Betrachtungen Ausschluss und Gängelung sozial Marginalisierter Realität.

IST TUCKÉ ROYALE „ASOZIAL“?
Tucké Royale, ist genausowenig „asozial“ wie sonst jemand. Als Erster Sprecher des ZAiD äußert er sich zur Komplexität und zum Phantasma der deutschsprachigen Fremdzuschreibung „asozial“ im Verlauf seiner Geschichte. Ebenso spricht er über die bislang versäumte Rehabilitierung und Entschädigung der als „asozial” Verfolgten, die schwerlich als Gruppe zu definieren sind. Einziges gemeinsames Merkmal waren scheinbar prekäre Lebensumstände. Neben der Tatsache, dass Tucké Royale das jahrzehntelange Ausblenden des Unrechts an sogenannten Asozialen öffentlich thematisiert, steht er gegen eine Verdrängung (sichtbarer) Armut aus dem urbanen Stadtraum. Seine Selbstermächtigung ist diskutabel und als Mittel zum Zweck Übergangsphase bis eine Langlebigkeit des Zentralrats der Asozialen in Deutschland zu erwarten ist. Nach einer historischen Lücke von 70 Jahren ist es kaum bis gar nicht möglich, sich eine Erlaubnis einzuholen, für andere sprechen zu dürfen. Dieses Dilemma ist nicht zu lösen und wird mit bestem Gewissen ausgetragen, um ein Unter-den-Tisch-Fallen des Unrechts an einer heterogenen Ansammlung Verfolgter nicht mit in die Zukunft zu nehmen.

WARUM EIN ZENTRALRAT?
Wir sind eine Lobbygruppe für die von Nazi-Unrecht betroffenen sogenannten „Asozialen” in der kulturellen Gedenkpolitik. Als Rechtsform werden wir uns demnächst als Verein darstellen – in Orientierung an den Körperschaften öffentlichen Rechts der Zentralräte der Juden und der Sinti und Roma.
Wir sind ein Ort des Zusammenhalts und der Freundschaft, in dem verschiedene Erfahrungen gesellschaftlicher Randständigkeit moralisch unbewertet vorkommen. Wir setzen uns ein für die Vervollständigung einer Geschichtsschreibung, in der die Stigmatisierung von Landstreicher_innen, Bettler_innen, Vagabund_innen, Prostituierten, Gelegenheitsdieb_innen und „liederlichen Weibsbildern” ebenso miterzählt wird, wie die Erfolgsgeschichten in der europäischen Kultur von Händler_innen, Philosoph_innen und Machthaber_innen.
Der Zentralrat der Asozialen ist kein Zusammenschluss lokaler Gruppen, sondern existiert zunächst als wanderndes Phantom, das sich nach und nach mit Städten und Akteur_innen in ganz Deutschland verbindet.

IST DER ZAiD POLITIK ODER KUNST?
Der ZAiD ist darstellbar. Unsere Methode ist das „Pre-Enactment“. Wir stellen keine historischen Ereignisse nach, wir stellen sie her, indem wir die Zukunft an den Anfang setzen. Die permanente Osmose zwischen Kunst und Politik ist Triebkraft des ZAiD auf seinem Weg der Umgestaltung realer Verhältnisse.

KANN ICH MITMACHEN?
Ja! Nehmen Sie Kontakt auf! Werden Sie Kompliz_in! Gründen Sie eine lokale „Seilschaft der Kompliz_innen“! Laden Sie uns ein! Verbreiten Sie unser Anliegen! Üben Sie Kritik an uns! Der ZAiD ist kein_e Pionier_in. Seit vielen Jahren engagieren sich zahlreiche, meist lokale Initiativen für eine Rehabilitierung stigmatisierter NS-Opfer und stehen für eine Überwindung von gesellschaftlicher Marginalisierung hier und jetzt ein. Die erinnerunsgpolitische Arbeit geschieht dort. Wir streben an, mit unserer mit bundesweiter Bewegungsfreiheit auszustattenden Rechtsform, allen diesen Initiativen Unterstützung und Sichtbarkeit anzubieten. Wir sind dem erinnerungspolitischen Gestus nicht verpflichtet, kennen uns aber mit Beschleunigungs- und Veröffentlichungsprozessen aus.

Unsere Förderer

Das ZAiD wird gefördert von: